von Yvonne
Yvonne war mehrere Wochen Gast auf dem Sonnenhügel. In ihrem persönlichen Rückblick beschreibt sie, was das Leben in Gemeinschaft mit festen Strukturen mit einem macht – und wie gerade in der klösterlichen Einfachheit Raum entsteht für die grossen Fragen: Wer bin ich? Was ist meins? Wo finde ich meinen Platz?
Der Originaltext ist auf Schweizerdeutsch verfasst und im Rundbrief 2026 abgedruckt. Hier finden Sie die hochdeutsche Fassung.
Ein Haus auf dem Hügel.
Der Sonnenhügel.
Ein Haus der Gastfreundschaft.
Ein Kommen und ein Gehen.
Und doch: ein Haus mit festen Strukturen, jeden Tag gleich, die Halt, Ordnung und Orientierung geben.
Eine Gemeinschaft.
Gemeinschaft ist eine Sehnsucht, weckt das Gefühl von Dazugehören. Miteinander am grossen Tisch sitzen. Zuhause sein.
Einen Platz finden, so wie du bist.
Raum haben. Raum finden.
Dich angenommen fühlen, und dich im Annehmen üben von den anderen und dessen, was sich im Aussen zeigt.
Jeder und jede steht an einem anderen Ort, wenn sie im Sonnenhügel ankommt. Immer bedeutet eine Reise an diesen Ort „einen Zwischenhalt“ auf dem „ureigenen Weg“ durchs Leben. Einige sind mit dem Ort und den Menschen schon vertraut, für andere ist alles neu. Vielleicht ist sogar „das Klösterliche“ neu.
Ein Finden, ein „sich zurecht Finden“ steht für jeden Gast am Anfang seiner „Sonnenhügelzeit“. Ein Vertrautwerden mit den Strukturen im Haus und im Alltag. Man erlebt sie als befreiend, Klarheit, Halt und Orientierung schenkend. Oder – als sehr freiheitsliebender Mensch – vielleicht auch ein bisschen als einengend.
Vielleicht ist man ausserhalb vom Sonnenhügel „allein-lebend“; „allein-gestaltend“; trifft (gefühlt) 1000 Entscheidungen am Tag. Das muss man im Sonnenhügel nicht! Das kann befreiend sein und kann gleichzeitig auch herausfordern.
Das Leben in der Gemeinschaft und die klar vorgegebene Struktur macht mit jedem und jeder etwas. „Es geht ans Eingemachte“: Es braucht Demut. Es braucht Hingabe an diesen Lebensrhythmus. Hingabe für den Weg, den jede und jeder trotz Gemeinschaft und innerhalb der Gemeinschaft mit sich selber macht.
Es braucht Annehmen, was genau dieser Weg alles an Gefühl und Gedanken „aufspült“. Und es braucht Bereitschaft, all das zu fühlen und anzunehmen, was einem täglich gezeigt und gespiegelt wird. Ein Aushalten, gerade innerhalb der Gemeinschaft. Gerade weil man zusammen lebt, wird die Verantwortung für das eigene Handeln und Fühlen noch deutlicher.
Als grosse Hilfe und Stärkung auf diesem Weg der Erkenntnis: „wer bin ich“; „was ist meins“ und „was gehört zum Anderen“ empfinde ich die Stillezeiten in der Kapelle, mit den heilsamen Worten der Gebete und der Lieder. Dort kommt immer noch eine grössere und andere Perspektive hinein. „Du bist gewünscht, gewollt, so wie du bist, und nie allein“.
Ich habe immer wieder gestaunt und es hat mir grössten Respekt ausgelöst, wie das Team vom Sonnenhügel diese Gastfreundschaft tagtäglich lebt und „die Türen weit aufmacht“ und Menschen Raum zum Mitleben schenkt. In Liebe und Dankbarkeit für die wunderbare Zeit der Reflexion, des Inne-Haltens, Spürens und Fühlens und für jede Träne.
