Freiwillige Arbeit auf dem Sonnenhügel: Ein Ort der Gemeinschaft und Sinnstiftung

18. September 2024

Sonnenhügel Gartenarbeit

Seit mehr als 30 Jahren bieten wir im Sonnenhügel Menschen in Krisensituationen ein Zuhause und eine stützende Gemeinschaft. Dabei ist unser Ort mehr als nur ein Zufluchtsort – er ist ein Raum, in dem Freiwillige und Gäste gemeinsam etwas Sinnvolles tun und aktiv das Miteinander gestalten.

Ende dieses Jahres wird es einen Wechsel in unserer ständigen Gemeinschaft geben: Elisabeth Staubli, die über zehn Jahre Teil unseres Kernteams war, tritt kürzer, bleibt uns jedoch als Freiwillige treu. Sie wird weiterhin im Kloster wohnen und einzelne regelmässige Aufgaben übernehmen. Aber sie trägt auf eigenen Wunsch nicht mehr die volle Verantwortung mit. Die neue Freiheit mögen wir ihr von Herzen gönnen.

Eine ausführliche Würdigung von Elisabeth werden wir übrigens zu einem späteren Zeitpunkt hier sowie im Rundbrief im Dezember veröffentlichen.

Arbeit schafft Struktur und die Möglichkeit zur Beteiligung

Mit diesem Wechsel gewinnt die Mitarbeit von externen Freiwilligen im Sonnenhügel weiter an Bedeutung. Eine zentrale Aufgabe des Sonnenhügels ist ja nicht nur, unseren Gästen ein vorübergehendes Zuhause zu bieten. Die Gäste, Frauen wie Männer, sollen auch mitarbeiten können.

Arbeit gibt Struktur. Vielen Gästen fällt es leichter, am freien Nachmittag ihren eigenen Themen und Interessen nachgehen zu können, wenn sie durch die gemeinsame Arbeit in Haus und Garten am Vormittag gewissermassen schon «in den Tag gekommen» sind. Arbeit bietet zudem die Möglichkeit, sich mit den eigenen Ressourcen und Stärken zu erfahren.

Durch die Mitarbeit in einer Gemeinschaft kann sich jeder und jede als Teil der Gemeinschaft fühlen. Dadurch werden unsere Gäste in ihren Ressourcen gestärkt und nicht auf ihre Defizite reduziert. Schliesslich führt die Arbeit in einer Gemeinschaft zur paradoxen Erfahrung, dass Eins plus Eins mehr gibt als Zwei: Wenn jeder und jede seinen/ihren Teil beiträgt – und dieser Teil ist naturgemäss begrenzt, weil wir alle unsere Grenzen haben – entsteht etwas grösseres Ganzes, das weit grösser ist als die Summe der Einzelteile. Das ist faszinierend, motiviert und macht Sinn.

Darum ist es uns so wichtig, für alle Gäste bei uns im Haus eine angemessene Arbeit zu haben. Manche arbeiten gerne draussen, anderen ist dies zu anstrengend. Aufgrund körperlicher oder psychischer Voraussetzungen brauchen sie beispielsweise eine leichte, sitzende Arbeit. Manche mögen problemlos eine Stunde am Stück arbeiten, manche brauchen eine kleine Extrapause dazwischen. Manche bringen im einen oder anderen Bereich Vorerfahrungen mit, andere nicht oder trauen sich nicht viel zu.

All dies zusammenzuführen und die anfallende Arbeit in unserem Grosshaushalt sinnvoll auf die Gäste zu verteilen, ist unsere zentrale Aufgabe. Genau dafür suchen wir Unterstützung: Menschen, die Freude haben an der Arbeit mit ihren Händen, die aber auch das soziale Flair mitbringen, diese Arbeit zusammen mit unseren Gästen zu erledigen. Manchmal bedeutet das auch, eine Arbeit gezielt so vorzubereiten, dass sie nachher jemand anders erledigen kann, und den Prozess so zu begleiten, dass am Ende des Tages alles Notwendige erledigt ist. So dass es im Haus aufgeräumt, ordentlich, sauber und wohnlich ist. Und es im Garten blüht und duftet und wir im Spätsommer etwas zu ernten haben.

Ehrenamtliche als tragende Säule unserer Gemeinschaft

Wir wissen, dass die ehrenamtliche Arbeit das Herzstück unserer Gemeinschaft ist. Zunächst überlegten wir nämlich, zur Entlastung eine bezahlte Stelle für den Garten zu schaffen, doch das passt nicht zu unserem Ansatz. Auch wir als Leiterpaar arbeiten überwiegend ehrenamtlich. Für uns ist es entscheidend, nicht **für** die Menschen zu arbeiten, sondern **mit** ihnen. Wir wollen bewusst nicht, dass wir für unsere soziale und seelsorgerliche Arbeit bezahlt werden, weil das den Fokus verschieben würde: Plötzlich wird der Lohn wichtig, um sich geschätzt und wahrgenommen zu fühlen.

Wertschätzung sollte aber auf andere Weise geschehen – indem wir positives Feedback geben und erhalten, indem jeder und jede seine und ihre Begabungen einbringen kann und die Freiheit hat, Neues auszuprobieren. So entwickeln sich oft ganz neue Fähigkeiten und Perspektiven, die sowohl den Einzelnen als auch die Gemeinschaft bereichern.

Freiwilligenarbeit bietet den Engagierten eine wertvolle Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln und neue Fähigkeiten zu erwerben. Durch den Kontakt mit unterschiedlichen Menschen und Lebenssituationen erweitern Freiwillige im Sonnenhügel ihren Horizont und stärken ihre sozialen Kompetenzen. Gleichzeitig erleben sie das befriedigende Gefühl, aktiv einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Oft entstehen dabei nicht nur neue Kontakte, sondern auch ein tieferes Verständnis für die eigene Rolle in der Gemeinschaft und die Bedeutung von Zusammenhalt.

Das Bedürfnis, etwas Sinnvolles zu tun, nimmt zu

Erfreulicherweise haben sich gerade in den letzten Wochen einige Menschen bei uns gemeldet, die sich freiwillig engagieren möchten. (Manchmal denken wir doch: Es kommt genauso, wie es kommen muss!) Insbesondere frisch Pensionierte und Eltern, deren Kinder flügge werden, suchen nach einer Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun. Ihnen ist gemeinsam, dass sie Teil einer Gemeinschaft sein und etwas bewirken möchten. Deshalb haben wir uns entschlossen, unsere Freiwilligenarbeit gezielt auszubauen und Menschen zu finden, die bereit sind, Teilverantwortung zu übernehmen – sei es im Garten oder in anderen Bereichen.

Dazu suchen wir gezielt nach Männern oder Frauen, welche die Möglichkeit zu einem etwas grösseren Engagement haben. Wir denken an 2 bis 3 Tage (oder Halbtage) pro Woche, wobei wir uns auch vorstellen könnten, dieses Pensum auf ein Tandem von zwei Personen zu verteilen, die sich gut untereinander verstehen und absprechen können.

Ein solches Pensum macht es möglich, auch grössere Aufgaben als Ganzes zu delegieren. Wir denken im Besonderen an den Garten. In unserer Klosteranlage ist Biodiversität seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Unzählige Hecken und Kleinstrukturen, Hochstammobst, Beeren und ein alter Baumbestand mit Birken, Fichten, Föhren, einer Lerche und sogar einer Edelkastanie (!) umrahmen unsere Gemüsebeete. Dieses Bijou trägt einen wesentlichen Beitrag zu unserem Speiseplan bei und es bietet unseren Gästen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, um sich als selbstwirksam zu erleben.

Freiwilligenarbeit schafft Sinn und Perspektiven

Für uns ist die ehrenamtliche Arbeit am Sonnenhügel weit mehr als nur praktische Unterstützung. Sie gibt den Menschen die Möglichkeit, sich selbst weiterzuentwickeln und Antworten auf die Frage nach Sinn und Erfüllung zu finden. Nicht nur unsere Gäste, sondern auch viele unserer Ehrenamtlichen stellen sich Fragen wie: „Wo werde ich gebraucht? Wie kann ich etwas bewirken?“ Um Raum für solche Themen zu schaffen, bieten wir auf Wunsch geistliche Begleitung an.

Geistliche Begleitung ist ein vertrauensvolles Gespräch, in dem Menschen ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen mit einer geschulten Person teilen. Ziel ist es, den eigenen Lebensweg im Licht der eigenen Spiritualität zu reflektieren, den persönlichen Glauben oder die Weltanschauung zu vertiefen und Klarheit in wichtigen Lebensfragen zu gewinnen. Durch die Begleitung können Menschen neue Perspektiven entdecken und ihre Stärken erkennen. Sie bietet einen Raum für persönliche Entwicklung und unterstützt dabei, ein erfülltes Leben zu führen.

Als Theologin und Theologe sind wir für diese Form der Begleitung speziell ausgebildet. Neben unserer Erstausbildung haben wir zudem mehrere Weiterbildungen besucht, die uns dafür qualifizieren, Menschen konfessionsübergreifend und unabhängig von unserem eigenen Bekenntnis zu begleiten. In allen grossen Weltreligionen sind die grundlegenden Fragen die Gleichen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer oder was trägt mich? Was ist der Sinn des Lebens? Wir sind in der Lage, Menschen in solchen Fragen vor dem Hintergrunde ihres je eigenen Glaubens zu begleiten. Insofern können jenen unserer Freiwilligen, die das wünschen, einen ganz besonderen Benefit anbieten.

Gemeinschaft als Quelle des Sinns

Gemeinschaft stiftet Sinn – das ist etwas, das wir immer wieder erleben. Für viele unserer Freiwilligen ist das Ehrenamt nicht nur eine Tätigkeit, sondern auch eine Möglichkeit, sich mit anderen zu verbinden und Teil von etwas Größerem zu sein. Auf dem Sonnenhügel ist das besonders spürbar. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Sinn ist groß, und wir sehen es als unsere Aufgabe, diesen Raum zu bieten.

Unsere Vision für die Zukunft bleibt klar: Wir möchten unsere ständige Gemeinschaft wieder aufstocken, besonders mit Menschen, die bereit sind, dauerhaft im Kloster zu leben und aktiv mitzuwirken. Gerade wenn wir in nächster Zeit die eine oder andere Person finden, die uns zusätzlich unterstützt, gewinnen wir freie Kapazitäten, um in unserer Kommunikation nach aussen einen neuen Schwerpunkt zu setzen. Denn: Der Sonnenhügel ist ein Leuchtturmprojekt, das weit über die Region hinausstrahlt. Hier zu leben und zu wirken, ist für uns ein Privileg, das wir gerne mit anderen teilen.

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