Worauf warten wir, bis wir anfangen zu Hoffen?

1. April 2024

Entlebucher Anzeiger: Hoffen ist Widerstand

Genau ein Dutzend Menschen haben dieses Jahr die Tage vom Hohen Donnerstag bis Ostersonntag auf dem Sonnenhügel miteinander gestaltet und gefeiert. Zu keiner Zeit des Jahres fliessen das Singen, Klagen und Feiern in unserem Gebetsraum so sehr in den Alltag ein mit Kochen, Backen, Putzen, und persönlicher, stiller Zeit wie in diesen drei Tagen.

Inmitten des Elends um uns herum fragen wir jedes Jahr, wie wir es wagen können, das österliche Halleluja zu singen. Krankheiten, zerbrochene Beziehungen, Arbeitsplatzverluste und lebenslange Wunden durch Missbrauch prägen den Alltag vieler unserer Gäste, die mit uns Ostern feiern. Diese persönlichen Krisen scheinen sich in diesem Jahr mit einer zunehmenden globalen Krise zu überschneiden, geprägt von Krieg und Bedrohungen. Dürfen wir es in dieser Situation wagen, Loblieder zu singen?

Hoffen beginnt mit Klagen

Unser Halleluja hat schon am Karfreitag begonnen. In hohem Bogen haben wir am Ende unseres Stationenwegs für unsere Ohnmacht, Wut, Verletzungen und Enttäuschungen Steine in die kleine Emme geworfen. So fand körperlich seinen Ausdruck, was wir in unseren regelmässigen Gebetszeiten pflegen: Wir können nicht jubeln, wenn die Klage keinen Platz hat, aber auch nicht klagen, wenn kein Raum für Hoffnung bleibt.

So haben wir mit Feuer, Kerzenlicht, festlichem Gesang und Tanz Ostern gefeiert. Trotz aller Erfahrungen, die uns das Gegenteil weis machen wollen. Denn Hoffnung ist Widerstand. Wir müssen nicht warten, bis alles gut ist, um zu hoffen. Hoffen bedeutet, darauf zu vertrauen, dass unser Handeln sinnvoll ist und ein gutes Ende haben kann. Niemand garantiert uns ein Ende der Zerstörung. Trotzdem können wir handeln.

Hoffen ist Widerstand

Der erste Schritt ist, von einem guten Ende zu träumen und darauf hinzuarbeiten. So wird Hoffnung zum Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit und Zynismus. Manchmal müssen wir einfach feiern, worauf wir hoffen, dass es Realität wird: dass das Leben stärker ist als der Tod.

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung einiger Gedanken, welche Sandra Schmid Fries und Lukas Fries-Schmid in der Osterausgabe des Entlebucher Anzeigers (vom 30.03.2024) veröffentlicht haben.

Newsletter

Etwa 1-2 Mal jährlich versenden wir interessante Hintergrundinformationen zu den Themen psychische Gesundheit und Spiritualität.
 
Melde dich zu unserem Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Die Abmeldung vom Newsletter ist jeder Zeit möglich. Datenschutzerklärung